… oder wie eine gute Alltagskommunikation in der Führung gelingt

Die Zugehörigkeitscodes im ersten Teil haben uns gezeigt, dass es nicht nur englische, sondern auch manche neuen, deutschen Wörter gibt, die so den Einzug ins Leben und schlussendlich eines Tages in den Duden finden. Nun, unter Umständen kann der Andere das alles in der modernen Zeit sogar „übersetzen“. Was im Grunde in der Führung viel schmerzhafter von außen wahrgenommen wird, ist die wieder angehäufte Phrasendrescherei.

Es ist wieder „in“, Plakate zu drucken mit „Zielbild ‚Kunde’ – wir stehen alle von morgens bis abends in den Diensten des Kunden“. Auf dem Weg zur Kantine, auf dem Startbildschirm, ketzerisch gesagt: Fast wie damals in der DDR. In unaufdringlicher Penetranz strahlen sie – die schlussendlich nichtssagenden Sprüche.

Eine Studie in einer Wirtschaftszeitung (Daniel Seiler in „Alpha“) bei den 100 größten Schweizer Unternehmen zeigt, wie austauschbar die häufigsten Begriffe in Leitbildern, Leitwerten sind: Auf Rang 1 mit 35 % Innovation und Kundenfokus, dicht gefolgt von Verantwortung mit 25 % und Qualität mit 23 % auf den Rängen 2 und 3. Engagement (Rang 4) und Zuverlässigkeit (Rang 5) dürfen natürlich ebenso wenig fehlen wie Nachhaltigkeit (Rang 7). Wenn sich nun rechnerisch gesehen jedes dritte Unternehmen Innovation und Kundenfokus als Leitwert auf die Fahne schreibt, dann müsste es uns als Kunden ja eigentlich gut gehen. Eigentlich!

Ich will hier wahrlich nicht alles schlecht reden oder schreiben.

Selbstverständlich gibt es Beispiele von Unternehmen, die das tatsächlich spürbar umsetzen. Es geht hier nicht einfach um den führungsmethodischen Ansatz, dass Leitbilder leben sollen, dass deren Inhalte auch umgesetzt werden. Es beginnt bereits bei der Kommunikation dieser Werte, Aussagen, Leitbilder.

Solche Aussagen füllen schließlich auch Powerpoints-Slides von Führungskräften und bespicken Meetings. Darum sind sie zu hinterfragen und zu konkretisieren. WAS ist innovativ? WAS ist kundenfokussiert? Nennen Sie das Kind beim Namen, in der mündlichen Kommunikation ist das ein MUSS, wenn Sie es in der schriftlichen und Plakatkommunikation machen, verhelfen Sie diesen zu greifbaren Aussagen.

Anstatt „Innovation ist wesentlicher Treiber unseres Erfolgs“ vielleicht einmal das, was ich in einer Privatschule gelesen habe: „Wir führen unsere Schüler und Schülerinnen dahin, den Herausforderungen ihres künftigen Lebens gewachsen zu sein“.

Ob das nun ein Wert oder ein Ziel ist, kann eine akademisch-philosophische Diskussion unter Leitbild-Puristen auslösen. Klar ist, dass Mitarbeiter DAS aber zumindest verstehen und ein Wert vorstellbarer wird.  Und genau darum geht’s im Grunde in der Alltagskommunikation.

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