Schlagzeilen sind häufig unerfreulich – leider auch in diesem Jahr wieder. Terroranschläge, Unruhen und aktuell das schlimme Erdbeben in Italien.

Wie schnell tauchen dann Fragen auf „Wer ist schuld?“ oder „Was hätte man verhindern können?“ Vielleicht mag das ja sinnvoll sein, um Lehren für künftige, ähnliche Ereignisse daraus zu ziehen. Oft sind solche Fragen aber eher Ausdruck der Hilflosigkeit angesichts von Extremsituationen. Sie helfen beim Verdrängen der Tatsache, dass nichts mehr umkehrbar ist. So schlimm, so tragisch, so grausam es ist – es ist da!

Die Natur ist unerbittlich. Das wird einem immer wieder bewusst. Und auch, wie klein man als Mensch doch angesichts der ganzen Schöpfung ist. Das kann vielleicht zwischendurch auch heilsam sein.

Neben den philosophischen Gedanken ist mir aber auch der Bezug zu unser aller Tagesgeschäft wichtig: Was können uns solche Nachrichten in Bezug auf die unternehmerischen Aufgaben in unseren Betrieben geben? Was kann eine Führungskraft aus Naturkatastrophen lernen?

Man muss ja nicht gerade das Schlimmste befürchten und annehmen. Aber „gouverner c’est prévoir“ – „Regieren bedeutet vorsorgen“ – kann durchaus in solchen Situationen wieder mal ein alter und zugleich neuer Denkansatz sein. Gerade in Zeiten, die auch wirtschaftlich ein Stück weit unberechenbar geworden sind.

Wann haben Sie sich im Vorstand und/oder in der Geschäftsleitung zuletzt mit wirklich existenziellen Fragen auseinandergesetzt? Wann ging es nicht nur um „punktuelle Verbesserung“, „neue Marktdurchdringung“ oder „wo-können-wir-noch-mehr-sparen“? Wann oder haben Sie sich überhaupt jemals die Frage gestellt: Was geschieht eigentlich, sollte von einem Tag auf den anderen unser Kerngeschäft wegbrechen? Wovon würden wir dann leben?

Diese Szenarien-Fragen diskutiere ich gerne mit Führungskräften in Klausurtagungen. „Stellen Sie sich vor, aufgrund eines Ereignisses dürfen/können Sie ab nächster Woche Ihr Kern-Produkt nicht mehr verkaufen – was würden Sie da tun?“ Haben Sie schon mal darüber nachgedacht? Nicht? Dann tun Sie es einfach jetzt. Und schreiben auf, was Sie machen würden. Tauchen Sie wirklich tief ab in jenes Szenario – so schlimm es sich auch anfühlen mag. Im Anschluss, wieder bei Licht betrachtet und geistig in der Gegenwart angekommen, können Sie sich entspannt zurücklehnen, weil ja (noch) nichts passiert ist.

Aber: Welche von diesen Ideen können Sie eventuell trotzdem weiter verfolgen? Es könnte ja sein, dass ein paar ganz gute, sehr innovative und revolutionäre Ansatzpunkte darunter sind – weil sie eben nicht auf dem Bestehenden basieren. Viel Erfolg beim Denken!

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